Gesprächsleitfaden für Angehörige und Freunde von Sektenmitgliedern

Jemand den Sie kennen ist in eine spirituelle Gruppierung geraten, was nun?

 Der Anfangszustand in einer spirituellen Gemeinschaft lässt sich vergleichen mit dem Zustand des „frisch Verliebtseins“. Der Betreffende ist begeistert, schwärmerisch und sieht alles durch die rosarote Brille. Er hat den Eindruck in der Gruppierung endlich das gefunden zu haben, wonach er immer suchte. Für Kritik ist er in dieser Phase meist wenig empfänglich.

Für Sie als Außenstehende wirkt der Betreffende manchmal völlig fremd, seine Antworten vermitteln den Eindruck, als sei er einer gründlichen Gehirnwäsche unterzogen worden.

Klar, dass bei Ihnen sämtliche Alarmglocken schrillen. Doch was können Sie tun, um dem Betreffenden zu helfen?

Zunächst ist jede Menge Fingerspitzengefühl gefragt. Konfrontationen und Streits führen häufig dazu, dass der Betreffende sich komplett abwendet und keine  Gesprächsbereitschaft mehr zeigt. Bewahren Sie also Ruhe!

Wie können sie helfen?

  • Informieren Sie sich über die Gruppierung und bilden Sie sich eine eigene Meinung.
  • Halten Sie nach Möglichkeiten den Kontakt zu dem Betroffenen.
  • Stärken Sie Gemeinsamkeiten.
  • Sprechen Sie das Thema nicht zu oft an- das stärkt die Verteidigungshaltung Ihres Angehörigen.
  • Finden Sie heraus, was den Betroffenen an der Gruppierung fasziniert.
  • Vermeiden Sie lange und aufwühlende Diskussionen.
  • Vermeiden Sie Vorwürfe, Anklagen oder zynischen Bemerkungen
  • Bekunden Sie Interesse an der neuen Haltung des Betroffenen. (Interesse bedeutet nicht Zustimmung)
  • Zeigen Sie Respekt.
  • Spenden Sie kein Geld

Ziehen Sie rechtzeitig eine Grenze, wenn die Situation Sie zu sehr belastet. Scheuen Sie sich nicht professionelle Beratungsstellen einzuschalten. Behalten Sie Ihre eigenen Bedürfnisse im Blick.

Und nach dem Ausstieg?

Möglicherweise merkt der Betroffene nach einer bestimmten Zeit, dass die Gruppierung doch nicht so ganz „sein Ding“ war. Er steigt aus der Gruppierung aus. Was können Sie tun?

  • Keine Vorwürfe, wie „Ich hab´s dir ja gleich gesagt.“
  • Unterstützung anbieten.
  • Vertrauen betonen.
  • Hilfe beim Aufbau neuer sozialer Netze.
  • Verständnis für die schwierige Situation zeigen.
  • Betroffene müssen nicht alles was mit der Gruppe zusammenhängt völlig ablehnen.
  • Betroffene dazu ermuntern auch positive Aspekte zu würdigen.
  • Kontakt zu professionellen Beratungsstellen vermitteln

Zum Weiterlesen:

  • Klosinski, G.; Lucadou, W.v.; Mamay, I.: Ein Haus mit Fenstern aus Licht, Modellprojekt Odenwälder Wohnhof – ein Zuhause auf Zeit für Sektenaussteiger, Tübingen 2005.
  • Lucadou, W.v.(2014): „Gewalt in neureligiösen Gruppen? Destruktivität und Probleme von Sektenaussteigern“, in: Hermes Andreas Kick, Theo Sundermeier (Hg.) Gewalt und Macht in Psychotherapie, Gesellschaft und Kunst. Affekt Emotion Ethik Bd. 13. Lit Berlin 2014, 97-111.
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Ein Kommentar zu „Gesprächsleitfaden für Angehörige und Freunde von Sektenmitgliedern

  1. Wenn es sich um eine Sekte handelt, die Leute manipuliert, ausbeutet und abhängig macht, also das, was hier beschrieben wird – dann ist das Wort „spirituell“ unangebracht.
    Sorry, aber das ist keine korithenkackerei, sondern es ist wichtig, grad bei solchen Grenzthemen Begriffe sauber zu verwenden. Spiritualität ist NICHT Ausbeutung, Manipulation und Gehirnwäsche. Ich bin nicht damit einverstanden, dass dieses Wort so falsch besetzt wird und ich jedes mal, wenn ich von Spiritualität spreche, erst mal lange erklären muss, was ich damit _nicht_ meine.

    Gefällt 1 Person

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