Kinder in religiösen Subkulturen

Täglich erreichen die Beratungsstelle Anfragen von Menschen, die entweder Einschätzungen zu diversen religiösen Subkulturen und Angeboten auf dem spirituell-esoterischen Markt erfragen oder das Bedürfnis haben, über problematische Erfahrungen, welche sie oder ein Angehöriger in entsprechenden Gruppen gemacht haben, zu sprechen. In vielen Fällen sind auch Kinder und Jugendliche unmittelbar betroffen. Zum einen aufgrund von elternabhängiger Religionszugehörigkeit, zum anderen weil sie elternunabhängig Mitglied in einer problematischen religiösen Subkultur sind. Zunehmend spielen dabei auch die Themen Fundamentalismus und Radikalisierung eine Rolle.

Auffallend bei unseren Beratungsfällen ist, dass Menschen oft die Orientierung auf dem religiösen Markt verloren haben. Auf der Suche nach einem spirituellen Angebot können sie ohne die fachliche Unterstützung der Beratungsstelle kaum unterscheiden, welche Angebote eher schädlich sind und welche zu ihren Bedürfnissen passen. Viele Anbieter konkurrieren dabei um den suchenden Konsumenten. Die Beratungsstelle arbeitet im Rahmen Ihrer Möglichkeiten seit vielen Jahren an Checklisten, Flyern und Informationsmaterial, um eine vernünftige bedarfsorientierte Aufklärung zu leisten. Außerdem bietet sie auf Grundlage ihrer Neutralitätsverpflichtung einen ideologieinvarianten Seriositätscheck für Betroffene. Dadurch gelingt es, Menschen vor finanziellen und psychischen Gefahren und Schäden zu bewahren.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil unserer Arbeit ist die Beratung von Pädagogen und Lehrern, die Kinder aus religiösen Subkulturen unterrichten. Dies ist vor allem wegen der hohen regulativen Funktion von Schule besonders wichtig. Kinder aus religiösen Subkulturen kommen dort mit anders denkenden Gleichaltrigen in Kontakt, lernen demokratische und freiheitliche Grundwerte sowie alternative Lebensmodelle kennen. Pädagogen bei der Integration von Kindern aus solchen besonderen Herkunftsfamilien zu unterstützen hat eine nicht zu unterschätzende präventive Wirkung. Oft erreichen die Beratungsstelle Anfragen von Pädagogen, wenn bereits Schwierigkeiten entstanden sind: Wenn Kinder aus religiösen Subkulturen beispielsweise Außenseiter sind, im Klassenzimmer missionieren, sich radikalisieren, Kinder nicht nach ihren Fähigkeiten gefördert werden oder Anzeichen auf Vernachlässigung vorliegen. Dabei sind religiöse Subkulturen oft bemüht, eine zu intensive Auseinandersetzung mit systemkritischen Inhalten abzuwehren, um ihren ideellen Konsens nicht zu gefährden.

Um der Herausforderung wachsender religiöser Heterogenität im Klassenzimmer adäquat begegnen zu können, ist deswegen eine kontinuierliche Fortbildung von Lehrkräften, ein ausführliches und präventives Beratungsangebot, eine inhaltliche sowie supervidierende Begleitung von Lehrern im Bereich der religiösen Subkulturen eine wichtige Aufgabe der Beratungsstelle.

Weil Erziehungsfragen immer Wert- und Normfragen betreffen, muss auch der Einfluss von spirituellen Wertesystemen auf Kindererziehung berücksichtigt werden. Wir unterstützen daher Institutionen bei solchen Einschätzungen und helfen bei konkreten Einzelfallprüfungen, beispielsweise wenn es um Sorgerechtsfragen oder die Vermittlung von Pflegeeltern geht.

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